Veröffentlichung von Sebastian Thrul in der Januar-Ausgabe der Kinderanalyse

Der junge Mann und das Meer - Überlegungen zur präödipalen Entwicklung männlicher Identität und ihrer Konsequenz für Vaterschaft und psychoanalytische Ausbildung

Unser Ausbildungsteilnehmer Sebastian Thrul hat einen neuen Aufsatz veröffentlicht. In der Januar-Ausgabe der Zeitschrift "Kinderanalyse", die unter dem Titel "Identität - von innen oder von aussen?" erschienen ist, lautet der Titel seines Beitrags "Der junge Mann und das Meer - Überlegungen zur präödipalen Entwicklung männlicher Identität und ihrer Konsequenz für Vaterschaft und psychoanalytische Ausbildung".

Hier das Abstract:
Die vorliegende Arbeit setzt sich mit der psychoanalytischen Theorie frühkindlicher Entwicklung des Jungen auseinander. Insbesondere die Theorie der Desidentifikation vom mütterlichen Objekt wird einer kritischen Betrachtung unterzogen. Dabei werden Teile der Theorie beibehalten, die die männliche Flucht vor dem Weiblich-Mütterlichen erklären, ohne dabei Männer auf defensive Phallizität festzuschreiben. Es wird dargestellt, wie eine präsente »Bevaterung« von Söhnen in der präödipalen Lebensphase eine Integration von Rezeptivität, Unsicherheit und Verletzlichkeit in eine entstehende männliche Identität ermöglichen könnte. Eine solche Art von Beteiligung an der frühen Kindheit ihrer Söhne bringt wiederum die Väter selbst in Kontakt mit ihrer Angst vor mütterlich konnotierter Nähe und Verschmelzung. Diese Überlegung wird auf die analytische Situation und die Angst männlicher Ausbildungskandidaten vor den afokalen Elementen psychoanalytischer Behandlungstechnik bezogen. Wie die kleinen Jungen an der Schwelle von präödipaler zu ödipaler Entwicklung, so brauchen auch männliche Ausbildungskandidaten emotional empfängliche, psychoanalytische »Väter«, um eine Integration von männlicher Identität und Rezeptivität mittels Identifikation erreichen zu können.