Leserbrief unseres Mitglieds Bernhard Jung

Zum Artikel von Thorsten Padberg im Psychotherapeuten Journal 4/2018

Sicher haben einige von Ihnen auch den Artikel von Thorsten Padberg im Psychotherapeuten Journal 4/2018 gelesen. Unser Mitglied Bernhard Jung, Neurologe, Psychiater und Psychotherapeut, hat mit einem Leserbrief darauf reagiert, der auch die Ansicht unseres Vorstands in weiten Teilen widerspiegelt. Mit freundlicher Genehmigung von Herrn Jung geben wir den Inhalt des Briefes hier wieder:

"Sehr geehrte Frau Wiesinger,

als V.i.S.d.P. sind Sie meine erste Ansprechpartnerin. Mit Entsetzen und auch Verwunderung habe ich den Artikel von Herrn Padberg gelesen, den Sie im Psychotherapeutenjournal 4/2018 an exponierter Stelle veröffentlicht haben.

Eigentlich hatte ich gedacht, dass der Streit zwischen Psychotherapeuten und Psychiatern bezüglich der „besten" Behandlung depressiver Patienten beigelegt sein könnte, ein gutes Bespiel bin ich hoffentlich selbst als assoziiertes Mitglied eines psychotherapeutisch-psychoanalytischen Aus- und Weiterbildungsinstituts in Freiburg. Als breit weitergebildeter Neurologe, Psychiater und Psychotherapeut (mit psychodynamischen Schwerpunkt) und über 20 Jahren Erfahrung in eigener Praxis muss ich die Ausführungen von Herrn Padberg strikt zurückweisen: Seine Aussagen diffamieren unsere Patientinnen und Patienten und stellen sie dar als drogenabhängige „Konsumenten" oder Lifestyle-User von „energizer"-Drogen. Offensichtlich hat Herr Padberg nie mit schwer depressiven Patienten gearbeitet, sonst würde er solche Aussagen nicht im Resümee seines Artikels treffen. Ein solcher Artikel schadet nicht nur der kollegialen Zusammenarbeit sondern auch unseren Patienten und Patientinnen.

Antidepressiva sind in der modernen Behandlung von Patientinnen und Patienten mit affektiven Störungen nicht wegzudenken, relevante Studien zeigten die beste Wirksamkeit einer Kombination von Psychotherapie & antidepressiver Medikation, selbstverständlich angepasst an den jeweiligen Patienten und die Symptomatik und ein zu erwartendes Nebenwirkungsprofil des eingesetzten Medikaments. Ich bin im Übrigen sehr froh, dass es pharmazeutische Firmen gibt, die diese Medikamente herstellen, darüber forschen und sie weiterentwickeln, auch wenn natürlich über den Primat des „shareholder value" immer gestritten werden kann. Das aber ist ein anderer Diskurs.

Ich kann auch ein bisschen Polemik: Der Abstand nach Berlin schützt meine Patientinnen und Patienten relativ sicher vor Herrn Padberg, da bin ich doch froh! Man wünscht ihm, er möge doch nicht nur den psychologischen, sondern auch den medizinischen „Wissensbetrieb" verfolgen. Beides ist unverzichtbar.
Dem Redaktionsbeirat wünsche ich, dass er künftig solche Artikel zuverlässig verhindern kann.

Herzliche Grüße auch an die Herausgeberin und den Redaktionsbeirat mit den auch sonst besten Wünschen für 2019!

Dr. med. Bernhard Jung"